journalistenbuero berlin

Leseprobe

Es lebe der Sport

(Auszug aus: Phänomen ALBA)

Trotz seines Engagements beim Aufbau der eigenen Firma verliert Franz Josef Schweitzer zu keiner Zeit den Blick für "Nebenschauplätze", wie zum Beispiel den Sport. Diesem ist er seit jeher verbunden, war er doch in jüngeren Jahren selbst als Motorradfahrer, Boxer und Schwimmer aktiv. So gehen unter anderem "ein paar Motorrad-Pokale" sowie insgesamt 48 k.o.-Siege ("alle in der ersten Runde") auf sein Konto. Boxer sind es daher auch, die er als erstes mit Geld aus seiner Firmenkasse unterstützt. Später gewährt er zudem einer Marienfelder Damen-Handballmannschaft sowie "mit einem ganz ordentlichen Betrag" (Schweitzer) den Berliner Eishockey-"Preussen" finanzielle Unterstützung. Doch als ihm vom Präsidium des Eishockey-Vereins binnen kürzester Zeit nach eigenem Bekunden gleich zweimal übel mitgespielt wird, ist es für den inzwischen zum Entsorgungsmulti aufgestiegenen Geschäftsmann mit der Freude am Sportsponsoring erst einmal vorbei - bis er sich eines Samstag morgens im Frühjahr 1991 zum Friseur begibt. Als Frühaufsteher ist es für ihn eine Selbstverständlichkeit, sich zu einer Uhrzeit die Haare schneiden zu lassen, zu der der Großteil der Bevölkerung noch in den Federn liegt - zumal am Wochenende. Der Coiffeur hat sich im Laufe der Jahre damit abgefunden, seinen gleichermaßen aufgeweckten wie solventen Kunden in aller Hergottsfrühe zu bedienen. Diesmal hält er zum vereinbarten Termin sogar eine Überraschung parat: Im Sessel neben dem ALBA-Chef hat zu dieser ungewöhnlich frühen Stunde ausnahmsweise ein weiterer Kunde Platz genommen: Gerd-Ulrich Schmidt.

"Erst zwei Tage vorher hatte ich mir selbst dort die Haare schneiden lassen", amüsiert sich der Vizepräsident noch heute. "Und angesichts des bevorstehenden Kollapses unseres Clubs fragte ich kurzerhand meinen Friseur, ob er nicht einen potenten Kunden an der Angel habe, der uns mit einer Finanzspritze aus dem Schlammassel helfen könne. Einen Tag später rief er schon bei mir an und sagte, am Samstag früh käme ein Geschäftsmann, den müsse ich unbedingt kennenlernen." Gerd-Ulrich Schmidt, frisch frisiert, setzt sich daraufhin bereits zum zweiten Mal innerhalb von 36 Stunden in den Friseursessel und stellt sich seinem Sitznachbarn vor.

Als er das Gespräch schon bald auf das Thema Basketball lenkt, ahnt sein Gegenüber bereits, worauf das Ganze hinausläuft. "Das ist doch kein Zufall, dass ich Sie hier treffe", bemerkt der ALBA-Chef mit einem vorwurfsvollen Seitenblick auf den Barbier. "Also sagen Sie schon, was Sie von mir wollen." Gerd-Ulrich Schmidt sieht ein, dass es keinen Zweck mehr hat, um den heißen Brei herumzureden und kommt zur Sache: "Uns fehlen 30 000 Mark, um die Endspiele um die Deutsche Meisterschaft absolvieren zu können. Andernfalls müssen wir Konkurs anmelden. Und da dachte ich, Sie könnten uns vielleicht weiterhelfen."

Schweitzer verschlägt es fast die Sprache. "Wie kommen Sie denn darauf?" entrüstet er sich, "mit Basketball habe ich überhaupt nichts am Hut. Ich kenne ja noch nicht einmal die Regeln." Doch der Vereins-Vize lässt nicht locker. In dem Firmenchef glaubt er den letzten Strohhalm erkannt zu haben, an den sich die BG Charlottenburg noch klammern kann. Diesem wird es aber allmählich zu bunt, denn er ist zum Haareschneiden hergekommen - und nicht, um mit einem verzweifelten Basketball-Enthusiasten über Geld zu diskutieren. "Also gut", brummt Schweitzer schließlich, "dann lassen Sie sich in aller Hergottsnamen am Montag von meiner Sekretärin einen Termin geben. Jetzt geben Sie aber endlich Ruhe, damit ich mir die Haare schneiden lassen kann."

Tatsächlich kommt kurz darauf ein weiteres Treffen zustande, und Franz Josef Schweitzer erklärt sich letzten Endes wirklich bereit, die fehlenden 30.000 Mark beizusteuern. Zusätzlich spendiert er flugs einen Satz neuer Trikots, damit die BG-Basketballer die Play Offs mit dem ALBA-Schriftzug auf der Brust bestreiten. "Ich habe nur zwei Bedingungen genannt, unter denen ich das Geld lockermache", erinnert er sich: "Erstens sollten die bloß nicht glauben, ich würde ihnen als zukünftiger Vereinspräsident zur Verfügung stehen. Arbeit hatte ich nämlich auch so schon genug am Hals. Und zweitens", fügt er hinzu, "habe ich von den Spielern vollen Einsatz verlangt. 'Egal, was letztlich herausspringt', sagte ich ihnen, 'Hauptsache ist, Ihr arbeitet. Ich will an Euren Trikots keine trockenen Stellen mehr sehen'. Und sie haben mich nicht enttäuscht."


Pressestimmen

„Wer ein echter Alba-Fan ist, für den ist dieses Buch ein unbedingtes Muss. Wer noch kein Alba-Anhänger ist, könnte es möglicherweise nach der Lektüre werden.“ (Basketball-Zeitung)

„Selbst Insider der Basketballszene entdecken sicher die eine oder andere Neuigkeit“ (InfoRadio Berlin-Brandenburg)

„Die Mischung stimmt“(Der Tagesspiegel)

„Extrem gute Recherchen“(Berliner Sport Echo)


Das Buch ist vergriffen. Antiquarisch finden Sie es vielleicht hier.

  Journalistenbüro Berlin, Rückerstr. 7, 10119 Berlin blees@journalistenbuero-berlin.de
Lage/Impressum
Telefon 030 / 275 601 35 www.funkschreiber.de